Wie alles begann ...

...oder die Klärung der Schuldfrage!
Wir schreiben das Jahr 1976 – zwei Jahre nach dem 7. 7. und dem großen Ding von München. Viel effizienter und vor allem mit weitaus mehr Spaß wird in diesen Zeiten in Neumünster gekickt – oder besser gesagt „geböllert“. Einige Unentwegte treffen sich zum Bolzen auf dem Platz hinter dem Kinderheim in der Carlstraße.
Im Herbst 1976 reift in den Deutschen Weinanbaugebieten eigentlich nur ein mittelmäßiger Tropfen heran, doch im hohen Norden der BRD sollte etwas ganz Großes entstehen:
der FC Torpedo ‘76 Neumünster.
Und Schuld an der Gründung dieses illustren Clubs war eigentlich die Stadt Neumünster – besser gesagt das Sportamt. Angesichts stark sinkender Temperaturen bemühten sich die Böller-Jungs brav um eine Hallenzeit. Kein ordentlicher Verein – keine Hallenzeit lautete der simple Nenner. Dann folgte irgendwann im Oktober eine dieser legendären Partys bei Goggi Groth in der Marienstraße 43. Und exakt jene Party sollte folgenschwer enden. Zu vorgerückter Stunde und entsprechendem Alkoholgehalt der Anwesenden wurde eifrig diskutiert.
Am spannendsten war natürlich die Namens-Debatte in dieser Geburtsstunde des Vereins. Da bei vielen zweifels ohne der Hang zu den guten alten „68ern“ zu spüren war, kam kein Allerwelts-Name in Frage. Dynamo,Traktor und Motor waren als Titel ganz heiß im Rennen. Worauf man sich schlußendlich geeinigt hatte, daran konnte sich tags drauf niemand mehr erinnern. Vielfältigste Recherchen ergaben mittlerweile aber, dass in besagter Nacht der Name „Torpedo“ überhaupt nicht im Rennen war. Egal – nach weitreichender Ausnüchterung trafen sich die Täter dann in der „Klostermühle“,um bei halbwegs wachem Verstand den FC Torpedo‘76 Neumünster hochoffiziell aus der Taufe zu heben. Neben einer besseren Verhandlungsposition bezüglich der Hallenzeiten mit der Stadt brachte dies auch den Vorteil, sich in richtigen Punktspielen mit richtigen Vereinen zu messen.
Nach Aufnahme in den Kreisfußballverband Neumünster brachte der FC Torpedo doch tatsächlich das Kunststück fertig, das erste Mal aufzusteigen – und dies mit nur 10 offiziell eingetragenen Mitgliedern!...
Die Fussballabteilung 1976 bis heute
Die Fussballabteilung, die Keimzelle eines neuen Vereins und das heutige Herzstück entstand, als einige Individualisten um Fiete Steiner die Schnauze voll hatten vom regelmäßigen Böllern auf dem alten Platz hinter dem Kinderheim in der Carlstraße. Man wollte den Leistungsvergleich mit den traditionellen Vereinen und gründete einen neuen Fussballverein.
Am Anfang war man im Kreisfussballverband und insbesondere auf dem Lande als die Kommunisten verschrien. Dazu trugen der Vereinsname, die äußerlichen Merkmale wie die rote Tracht und die Friedenstaube als Vereinsabzeichen und insbesondere das Erscheinungsbild der Spieler, lange Haare und lange Bärte bei. Wegen des fehlenden Ordnungssinns war man in den Augen der Funktionäre des Kreisfussballverbandes ein rotes Tuch. Sortierte Pässe für den Schiri, wofür dieser Aufwand. Der bekam regelmäßig die ganze Mappe mit allen Pässen in die Hand gedrückt und durfte sich die maßgeblichen Pässe laut Aufstellung des Spielberichts heraussuchen. Eine einheitliche Spielertracht war zu dieser Zeit ggf. nur bei den Trikots vorhanden, denn Hosen und Stutzen wurden selbst gekauft und fielen je nach Marke und Qualität unterschiedlich aus. Die vielen Fussballschlachten, die man auszutragen hatte, hinterließen Spuren an den Trachten und manch Spieler war stolz auf seine Löcher im Trikot. Diese Merkmale wurden natürlich nicht repariert und behoben, sondern nein, man trug sie gern zur Schau, vielleicht mit dem Ziel, den nächsten Gegenspieler damit zu beeindrucken. Hervorzuheben ist, dass die Trikots einheitlich für eine Flasche Korn bei Fahnen-Kruse mit dem Vereinsnamen versehen worden waren.
Aufgrund der vorgenannten Umstände, hatten die damaligen Spieler das Gefühl, der Verein Torpedo sei aus Sicht des Kreisfussballverbandes für höhere Aufgaben nicht geeignet. Man versuchte alles, um einen Aufstieg zu verhindern. Dies wurde besonders deutlich, als es in der Saison 79/80 in der A-Klasse zu einem sog. Endspiel um den Aufstieg in die Kreisliga zwischen dem VFR III und dem FC Torpedo kam. Für dieses Spiel hatte der Verband eigens den damaligen Kreisspielausschußobmann Kurt Boller, der nicht zu den Geneigten des Vereins zählte, mit Linienrichtern aus Kiel angesetzt. Aber auch dieses Gespann konnte nicht verhindern, dass Torpedo mit 2 : 1 durch das Siegtor von Jenner Bollin gewann und in die Kreisliga aufstieg und dort für zwei Spielzeiten verblieb. Durch dieses Ereignis vergrößerte sich der Spielerkader für die kommende Saison. Von nah und fern kamen Spieler hinzu. So kam es, dass auch der luxemburgische Spieler, Georges Schengen, nach dem der auf der DFB Transfertliste erschienen war, eingekauft wurde. Ob dieser Spieler jemals für den Verein kickte, bleibt ein Geheimnis.
Torpedo war von Anfang an im Feiern bundesligareif. Dies ging soweit, dass bei einem Spiel gegen Gut-Heil - nach einer Torpedo-Fete im THC-Clubheim - zu Beginn gerade einmal die erforderliche Mindestanzahl von Spielern erschienen war.
Die übrigen kamen nach und nach, wobei man den einen oder anderen Spieler vom Frühschoppen aus dem Postkeller verpflichten mußte. Schließlich war man glücklich, zumindest die zweite Halbzeit mit 11 Spielern erleben zu können. Dieses Spiel war zudem von fehlenden Spielerpässen gekennzeichnet. Wie sich eine Woche später herausstellte, waren diese im Eisschrank des THC-Clubheims liegengeblieben.
Also kein Grund zur Beunruhigung, alles wieder im Lot!
Legendär sind auch Torpedos Böllerfeten mit den Oldenburger Gästen bis zum späten Sonntagnachmittag im Südbahnhof oder mit den Haschkickern von Dynomo Windrad Kassel. Nicht zu vergessen an dieser Stelle die Fahrten nach Kassel zur Bolz-WM, die zwar nicht sportlich, aber immerhin unter dem Spaßaspekt als Erfolg verbucht werden konnten und die heute noch traditionellen Fahrten im August eines jeden Jahres nach Oldenburg i. O., um beim dortigen Stadtfest die Vereinsfarben
hochleben zu lassen. Ursprünglich waren diese Fahrten mit einem Freundschaftsspiel gegen den TS Eversten verbunden. Da diese Tage aber anstrengend genug sind, wurde auf das Fuballspielen mittlerweile ganz verzichtet.
Spielerisch war Torpedo nach dem Kreisligaabstieg nicht immer erfolgreich, jedoch wurde desöfteren der Fairnesspokal gewonnen. Bergauf ging es erst wieder, nachdem sich die FEK-Kicker um Gerd Agena und danach die VFR- und Gut-Heil-Größen, wie Volker Schneider, Burghard Sprunk, (Dirk Broser) Brosowski, Barny Dombrowski und Udo Dicken, um nur einige zu nennen, dem FC Torpedo angeschlossen haben.
Letztendlich wurde mit diesen Leuten der bisher größte sportliche Erfolg, der Aufstieg in die Bezirksklasse in der Saison 93/94 erreicht. Heute ist man davon weit entfernt, doch der Neuaufbau einer ersten Mannschaft ist zu Beginn jeder Saison Ziel der Verantwortlichen, um, wieder zur alten Stärke zurückzufinden. Nicht zu vergessen sind, die vielen Ehrenamtlichen, angefangen bei Gudi, ehemals Ball- und Platzwartin und Kuchenbäckerin im Verein, denn die legendäre Kaffeetafel nach jeden Fussballspiel ist heute noch Tradition, die Vereinsvorsitzenden... allesamt Fussballer, die Obmänner, Steiner, Finsterle, Agena und Bach, die Trainer, Agena, Stoffers, D. Schneider, Broser, Zuchotzki, Pfützenreuter/Zander, Matthiesen und Tobi Wiese sowie unsere Platzwarte im Stadion unserer Heimarena, z. Zt. Dirk Mömmert und Altplatzwart Helmut Greve, der im O-Ton damals zu Fiete Steiner bei seinem Antrittsbesuch im Stadion sagte: “ Ji speelt bestimmt in Rot!”
Rosig ist die Gegenwart und soll die Zukunft sein! Das Fuballspielen soll im Vordergrund stehen und nicht in erster Linie das Erringen von Meisterschaften und Pokalen. Der Spaßfaktor soll uneingeschränkt oberste Priorität haben. Häufig stellt sich dann der Erfolg von ganz allein ein. Kurzum, wer überwiegend aus Spaß am Fuball und wegen des nicht ganz gewöhnlichen Vereinsleben zum FC Torpedo gekommen ist, der war hier goldrichtig und ist überwiegend bis heute dem Verein treu geblieben. 

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